Kategorie: Häkeln lernen

Grundlagen, Techniken und Antworten auf die Fragen, die am Anfang jeder hat.

  • Häkeln lernen: Die 5 Grundmaschen, die wirklich reichen

    Wenn du häkeln lernen willst, brauchst du kein Dutzend Techniken. Fünf Maschen reichen – damit häkelst du Amigurumi, Mützen, Decken und Täschchen. Alles andere sind Variationen davon.

    Hier erkläre ich dir jede einzelne, in der Reihenfolge, in der du sie brauchst. Nimm dir am besten ein Restgarn und eine Nadel dazu und probier jede Masche einmal aus, bevor du weiterliest.

    1. Die Luftmasche (Lm)

    Der Anfang von fast allem. Du machst einen Knoten, steckst die Nadel durch die Schlaufe, holst den Faden und ziehst ihn durch. Fertig ist die erste Luftmasche. Wiederhol das, und es entsteht eine Kette.

    Wofür: Als Startreihe für alles, was in Reihen gehäkelt wird. Und für Öffnungen – bei der Monster-Schlüsselhülle wird der ganze Mund aus Luftmaschen gebildet, weil sie sich dehnen.

    Typischer Fehler: Zu fest gezogen. Die Kette rollt sich dann ein und du kommst in der nächsten Reihe kaum rein. Locker lassen.

    2. Die feste Masche (fM)

    Die wichtigste Masche überhaupt. Du stichst in die Masche, holst den Faden (zwei Schlaufen auf der Nadel), holst noch einmal Faden und ziehst durch beide.

    Wofür: Für alles, was dicht sein soll. Amigurumi besteht praktisch nur aus festen Maschen – sie bilden ein enges Gewebe, durch das die Füllwatte nicht durchdrückt.

    Wenn du nur eine Masche richtig können willst: diese.

    3. Die Kettmasche (Km)

    Die flachste von allen. Du stichst ein, holst den Faden und ziehst ihn direkt durch beide Schlaufen – ohne Zwischenschritt.

    Wofür: Zum Schließen von Runden, zum Verbinden von Teilen und für saubere Kanten. Sie baut kaum Höhe auf, deshalb nutzt man sie fast nie für Flächen.

    4. Das halbe Stäbchen (hStb)

    Vor dem Einstechen holst du einmal Faden (Umschlag). Dann einstechen, Faden holen – jetzt liegen drei Schlaufen auf der Nadel – und alle drei auf einmal durchziehen.

    Wofür: Der Mittelweg. Höher als die feste Masche, aber noch dicht genug für Mützen und Schals. Geht schneller voran.

    5. Das Stäbchen (Stb)

    Wie das halbe Stäbchen, nur ziehst du am Ende in zwei Schritten durch: erst durch zwei Schlaufen, dann durch die restlichen zwei.

    Wofür: Decken, Tischdecken, alles Luftige. Das Gewebe wird lockerer und wächst schnell.

    Übersicht: deutsch und englisch

    DeutschKurzEnglischHöhe
    LuftmascheLmch (chain)–
    KettmascheKmsl st (slip stitch)keine
    feste MaschefMsc (single crochet)niedrig
    halbes StäbchenhStbhdc (half double crochet)mittel
    StäbchenStbdc (double crochet)hoch

    Achtung bei englischen Anleitungen: Es gibt zwei Systeme. Im amerikanischen ist sc die feste Masche, im britischen bedeutet dasselbe Kürzel etwas anderes. Steht in der Anleitung US terms, gilt die Tabelle oben. Bei mir findest du immer die deutschen Kürzel.

    Womit fängst du an?

    Mein Rat: Üb Luftmasche und feste Masche, bis sie sitzen. Das dauert vielleicht eine halbe Stunde. Danach kannst du schon ein echtes Projekt anfangen – die Monster-Schlüsselhülle braucht genau diese zwei Maschen plus Zu- und Abnahmen.

    Die übrigen drei lernst du später, wenn du sie das erste Mal brauchst. Alles auf einmal lernen zu wollen, ist der schnellste Weg zum Frust.

    🧵 Der Tipp, der mir am meisten geholfen hätte: Häkle am Anfang mit hellem, glattem Baumwollgarn. Bei dunkler oder flauschiger Wolle siehst du die einzelnen Maschen kaum – und wenn du nicht siehst, wo du einstechen musst, wirkt alles doppelt schwer.

    Fragen dazu? Schreib mir an hallo@crochetliebe.de – ich antworte auf jede Nachricht.

  • Amigurumi häkeln: 7 Fehler, die fast alle am Anfang machen

    Amigurumi sieht auf Fotos einfach aus: ein paar Runden feste Maschen, fertig ist das Tierchen. In der Praxis geht am Anfang trotzdem einiges schief – und fast immer sind es dieselben sieben Dinge.

    Ich habe sie alle selbst gemacht. Hier steht, woran du sie erkennst und wie du sie wieder hinbekommst.

    1. Die Füllwatte schimmert durch

    Was passiert: Man sieht das Weiße durch die Maschen, besonders an gewölbten Stellen.

    Was hilft: Du häkelst zu locker. Nimm eine Nadel eine halbe bis ganze Nummer kleiner, als auf der Banderole steht. Bei einem fast fertigen Stück hilft es, weniger Watte zu nehmen oder ein Stück Stoff in Körperfarbe zwischen Watte und Wand zu legen.

    2. Der Boden wird wellig

    Was passiert: Statt flach zu liegen, wirft das Anfangsstück Falten wie ein Rüschenrand.

    Was hilft: Zu viele Zunahmen. Häkle eine Runde ganz ohne Zunahme dazwischen, dann legt sich die Arbeit wieder flach.

    3. Der Boden wölbt sich nach oben

    Was passiert: Das Gegenteil: Das Stück formt eine Schüssel statt einer Scheibe.

    Was hilft: Zu wenige Zunahmen. Trenn die letzte Runde auf und füg zwei bis drei Zunahmen ein.

    4. Der Rundenanfang ist verschwunden

    Was passiert: Bei Spiralrunden gibt es keine Naht – und irgendwann weißt du nicht mehr, wo die Runde beginnt.

    Was hilft: Ein Maschenmarkierer in der ersten Masche jeder Runde. Kein Marker da? Ein andersfarbiger Faden oder eine Büroklammer tun es genauso. Wenn du schon verloren bist: Zähl die Maschen der aktuellen Runde und vergleich mit der Anleitung – die Maschenzahl verrät dir, wo du stehst.

    5. Die Abnahmen sehen aus wie Löcher

    Was passiert: An jeder Abnahme klafft eine kleine Lücke im Maschenbild.

    Was hilft: Du nutzt die klassische Abnahme. Probier die unsichtbare: Stich nur in das jeweils vordere Maschenglied beider Maschen und zieh den Faden dann durch alle Schlaufen. Das ist die Veränderung, die optisch am meisten bringt.

    6. Die Figur kippt um

    Was passiert: Sie steht nicht, sondern fällt immer zur Seite.

    Was hilft: Der Boden ist zu schmal für die Höhe. Beim nächsten Mal ein bis zwei Zunahmerunden mehr am Boden. Beim aktuellen Stück: etwas mehr Watte in den unteren Bereich, das verlagert den Schwerpunkt.

    7. Du überspringst die Maschenprobe

    Was passiert: Am Ende ist die Figur deutlich größer oder kleiner als angegeben – und die Sicherheitsaugen wirken plötzlich völlig falsch proportioniert.

    Was hilft: Ich weiß, sie fühlt sich nach Zeitverschwendung an. Aber ein halber Zentimeter Abweichung im Durchmesser sind beim fertigen Stück schnell zwei Zentimeter Höhe. Zehn Minuten Maschenprobe sparen dir eine Stunde Auftrennen.

    Und wenn gar nichts hilft?

    Dann trenn auf. Klingt hart, ist aber oft schneller als jeder Rettungsversuch – und beim zweiten Mal geht es ohnehin doppelt so flüssig, weil du das Muster schon im Kopf hast.

    Wenn du noch ganz am Anfang stehst, schau dir zuerst die fünf Grundmaschen an. Und wenn du ein Projekt suchst, an dem sich das alles üben lässt: Die Monster-Schlüsselhülle enthält genau diese Stolpersteine – mit Lösung für jeden einzelnen.